Marktsondierung

Nicht nur die Führungsspitzen der „Jamaika-Parteien“ in Deutschland sondieren zur Zeit ihre Positionen; auch die Produkte am Energiemarkt scheinen aktuell ihren individuellen Wert ermitteln zu wollen. Es gibt keinen klaren Trend; jede hier betrachtete Notierung muss sich den Spezifikationen des Marktes stellen.

Meinungsverschiedenheit statt Wettrennen

Die Marktgrößen zeigen sich diese Woche konträr. Strom, Kohle und der Emissionshandel nimmt Verluste hin, Öl bleibt stabil und der Gasmarkt steht unter Druck. Gleiches gilt für die französische Regierung, die zwischen Klimaschutz und Atomausstieg abwägen muss. Im Ergebnis soll der Atomaussteig statt 2025 auf 2030 oder gar 2035 im Gespräch sein.

Müssen wir ab 2021 mit steigenden Strompreisen rechnen?

Stellt man Energieexperten diese Frage, erhält man in der Regel bestenfalls ein nebulöses „Es kommt drauf an“. Inzwischen eint die meisten Institute jedoch die Ansicht, dass der Kernenergieausstieg gepaart mit steigenden Rohstoff- und CO2-Preisen steigende Strompreise zur Folge haben wird. Aber hier ist es mit der Einigkeit auch schon wieder vorbei. Während die einen höhere Gas- und sinkende Kohlepreise erwarten, nennen die anderen gute Gründe, warum es genau andersherum sein wird. Eine weitere Gruppe erwartet wiederum, dass der Zubau der Erneuerbaren den fehlenden Atomstrom kostengünstig kompensieren kann. Welcher Experte am Ende auch die zuverlässigste Glaskugel gehabt haben wird: Die Stromkunden sind gut beraten, frühzeitig handlungsfähig zu werden und Risikostrategien für alle Szenarien zu entwickeln. GfSt beginnt daher im kommenden Frühjahr mit der Ausschreibung für die Jahre 2021 & 2022. Seien Sie dabei!

 

Es kommt Bewegung ins Spiel

Recht unterschiedlich entwickelte sich der gesamte Energiekomplex im Verlauf der 39. Kalenderwoche. Die von vielen Verbrauchern lang ersehnte Korrektur bei den Kohlenotierungen scheint in Gang gesetzt worden zu sein. Wie nachhaltig diese ausfällt und ob es eventuell nur ein Luftholen vor dem nächsten Sturm an die Spitze ist, werden die kommenden Tage zeigen. Die Strompreise nahmen die Steilvorlage nur verhalten zur Kenntnis und scheinen die weitere Entwicklung zunächst abwarten zu wollen.

 

AGORA Energiewende erwartet 2018 sinkende EEG-Umlage

In einer gestern auf ihrer Website veröffentlichten Stellungnahme geht die Denkfabrik derzeit von einer Umlage in Höhe von 6,74 ct/kWh aus. Sie legt dabei erhöhte Spotpreise 2018 zugrunde und berücksichtigt zugleich den aktuell drei Mrd. Euro schweren Einnahmenüberschuss auf dem EEG-Konto der Übertragungsnetzbetreiber. Zu früh sollten sich die deutschen Stromkunden allerdings nicht freuen, denn für die nachfolgenden Jahre ist laut dem von der AGORA genutzten EEG-Rechner des Freiburger Öko-Instituts wieder mit steigenden Umlagen zu rechnen. Den vollständigen Artikel zum Thema finden Sie unter:

www.agora-energiewende.de/de/presse/agoranews/news-detail/news/die-eeg-umlage-wird-2018-voraussichtlich-leicht-sinken/News/detail/

Verlängerung der Kohle-Rallye

Auf EU-Ebene fand ein Änderungsantrag Unterstützung, der die Entpflichtung britischer Unternehmen am EU-ETS Handel teilzunehmen regelt. Demnach können kostenlos zugeteilte Zertifikate nicht verkauft werden. So sollen Marktschwankungen reduziert und Wettbewerbsvorteile vermieden werden.

Kräftemessen der Märkte

Mit Ausnahme des Spotmarktes steigen alle betrachteten Märkte, neben wirtschaftlichen und technischen Einflussgrößen ergab sich ebenfalls ein wesentlicher Hebel aus der Politik. Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake legte einen Handlungskatalog für die nächste Bundesregierung für die Sektoren Verkehr, Gebäude und Energiewirtschaft vor. Dort wird die Stilllegung von Stein- und Braunkohlekraftwerken in der Höhe von 25 GW vorgesehen, dies würde 50% der heutigen Kapazitäten betreffen. Weitere Themen sind die Ausweitung der Ausschreibungen für erneuerbare Energien, Netzausbau auf allen Ebenen sowie Veränderungen von Steuern und Abgaben für Energieendkunden. Hintergrund ist die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele. Handlungsbedarf ergibt sich ebenfalls aus einer Analyse von Agora Energiewende, diese prognostiziert eine Reduktion von Treibhausgasemissionen von 31% statt 40% im Zeitraum 1990 bis 2020.

Spotmarktbeschaffung hat bislang das Nachsehen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Strombeschaffung über den Spotmarkt in den vergangenen acht Jahren preisliche Vorteile gegenüber einer Terminmarkteindeckung mit zwei Jahren Vorlaufzeit gebracht hat. In diesem Jahr ist die Kurzfristbeschaffung bislang jedoch klar im Nachteil. Im Mittel lag der Base- Preis in den Jahren 2015 und 2016 für das aktuelle Jahr bei 28,76 €/MWh. Am Spotmarkt mussten Stromkunden im Mittel dafür bislang 34,61 €/MWh zahlen. Beim Peak-Produkt fällt die Differenz geringer aus. Ø-Terminmarktpreis: 36,26 € vs. Ø-Spotpreis: 37,51 €/MWh.