Reaktionen auf den Brexit

Kurz-, mittel- und langfristige Folgen für die Energiemärkte der EU

Das der negative Ausgang des Referendums des (noch) vereinigten Königreichs in den komplexen Wirtschaftsstrukturen der Europäischen Union zu heftigen Reaktionen führt, kann man inzwischen täglich beobachten. Dabei sind die Folgen in den Energiemärkten fast noch überschaubar.

Die kurzfristigen Reaktionen – deutliche Preisrückgänge bei fast allen Commodities – sind damit zu erklären, dass die Mehrzahl der Akteure offensichtlich mit einem positiven Votum gerechnet hatte. Die Energiemärkte wurden hier in den Strudel der allgemeinen Schreckreaktion gerissen.

Allerdings hat dieser Schock dazu geführt, dass der Aufwärtstrend, den wir in vielen Commodities in den letzten Wochen sehen konnten, gestoppt ist.

Mittelfristig werden vor allem die Währungsschwankungen die Preise beeinflussen. Die massive Abwertung des Britischen Pfund gegenüber dem US-Dollar aber auch gegenüber dem Euro macht Energieexporte in die EU attraktiv und verteuert die Importe für die Briten. Dies wird sich vor allem bei Erdgas auswirken.

Schon heute ist Great Britain trotz eigener Quellen in der Nordsee zu 50% von Einfuhren von Erdgas – zum überwiegenden Teil von Norwegen – abhängig. Bei sinkenden Produktionskosten in Euro könnten aber heute unwirtschaftliche Quellen wieder interessant werden.

Das Problem der Importabhängigkeit könnte sich langfristig aber verschärfen, denn viele Plattformen liegen vor der schottischen Küste. Wenn die Schotten Großbritannien den Rücken kehren und das schottische Pfund an den Euro koppeln, ändert sich ein entscheidender Parameter.

Über die Abwertung des britischen Pfund werden RWE und E.ON erfreut sein, auch wenn sie dies nach außen nicht zugeben. Die auf Pfund lautenden Schulden der Tochtergesellschaften auf der Insel werden in den Konzernbilanzen deutlich geringer, ohne dass das operative Geschäft darunter leidet. Der umgekehrte Effekt wird auf dem Kontinent ansässige Eigentümer von Offshore-Windparks treffen, deren Renditen unter einen schwachen Pfund leiden werden.

Allgemein erwarten die Volkswirte einen Rückgang nicht nur im britischen, sondern auch im gesamteuropäischen BIP. Dies könnte die Nachfrage nach Energie drosseln.

Ein besonderes Thema ist der Emissionshandel. Wenn Großbritannien die EU verlässt könnte es auch aus dem EUETS ausscheiden. Dies hätte auf der Insel nur geringe Auswirkungen, da es dort bereits zusätzlich eine CO2-Steuer gibt. In diesem Fall würde nicht nur die Nachfrage von konventionellen Energieproduzenten wegfallen; britische Unternehmen würden auch größere Mengen von nicht mehr benötigten EUA auf den Markt bringen und so den Preis drücken.