Diskussion um einheitliche Netzentgelte

BMWi legt Gesetz zur Modernisierung der Netzentgelte vor

Die Veröffentlichung der Entgelte ab 1.1.2017 für das Stromnetz waren für einige in-dustrielle Großkunden eine böse Überraschung. Zwei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, Tennet und 50Hertz, haben die Netzentgelte drastisch erhöht. Der Hauptgrund sind die Kosten für das Redispatching, also die Eingriffe in die Fahrweise von Kraftwerken, die die ÜNB vornehmen, wenn Überlastungen im Netz drohen.

Hier kommen derzeit mehrere Faktoren kostensteigernd zusammen. Bislang wurden die Kosten für das Redispatching jährlich ex post festgestellt und gingen dann in die Kalkulation der Entgelte für das nächste Jahr ein.

Die Kritik der ÜNB an dieser Vorfinanzierung für einen stetig steigenden Kostenblock hat zu einer Änderung des Abrechnungssystems auf einen ex-ante-Ansatz geführt, d.h. es werden Plankosten herangezogen. In den Jahren 2017 und 2018 werden also die Plankosten und die tatsächlichen Kosten der Vorjahre durch die Netznutzer abbezahlt. Ab 2019 sind es dann nur noch die Plankosten.

Hinzu kommt, dass als Maßstab für die Plankosten im laufenden Jahr auch das wetterbedingte „Extremjahr” 2015 berücksichtigt wird. Die Plankosten sind also systematisch auch noch zu hoch geschätzt.

Die politischen Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem aus den neuen Bundesländern kam die Forderung, auf der Ebene der ÜNB ein einheitliches Netzentgelt zu verordnen. Das Bundeswirtschaftsministerium scheint sich schon länger mit dem Thema zu befassen, denn es war sehr schnell der Entwurf eines Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) im Umlauf.

Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte auf der Übertragungsnetzebene würde die Netzkunden in den Regelzonen von Amprion und TransnetBW belasten und die in den Regelzonen von 50Hertz und Tennet entlasten. Um die Folgen abzu-schätzen hat Amprion bei ewi Energy Research & Scenarios eine Studie in Auftrag gegeben, die für einen im Übertragungsnetz angeschlossenen Industriekunden zu folgenden Ergebnissen kommt: Tennet – 29%, 50Hetz – 21%; Transnet + 39% und Amprion + 66%.

Da Amprion tatsächlich einen sehr großen Anteil von direkt an ihr Netz angeschlossenen Industriekunden hat, hätte eine solche Vereinheitlichung der Netzentgelte einen wesentlichen Effekt auf große Teile der deutschen Industrie.

Die Verbände sowohl auf Seiten der Kunden als auch auf Seiten der Netzbetreiber wer-den in den nächsten Monaten mit dem BMWi darum ringen, welches die fairste Lösung für alle Kunden ist. Eine mögliche Lösung könnte sein, dass die Netzentgelte an sich nicht sozialisiert werden, wohl aber die Kosten für den Redispatch. Bereits heute sind 40 Prozent der Kosten in der Übertragungsnetzebene sozialisiert, z.B. die Offshore-Netzanschlüsse.