Erdgasmarktgebiete werden verschmelzen

Bundesrat stimmt Novelle der GasNZV zu

In die Kategorie „Das muss noch schnell vor der Sommerpause verabschiedet werden“ gehörte auch die Änderung der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV). Dem hat auch der Bundesrat am 7. Juli noch final zugestimmt. Wir stellen die wichtigsten Änderungen vor.

Die Fernleitungsnetzbetreiber werden ab 01.01.18 generell untertägige Kapazitätsprodukte anbieten. Eine verstärkte Nutzung dieser Produkte könnten zu einem Absinken der Erlöse der Netzbetreiber und in der Folge zu einem Anstieg der Netzentgelte führen. Für Industriekunden mit einer Vollversorgung hängt es nun von dem Können und Vermögen des Lieferanten ab, ob der über kurzfristige Renominierungen die Netzkosten senken kann. Um hier Fehlentwicklungen zu vermeiden, wird eine ab dem 01.11.19 greifende Evaluierungsverpflichtung eingeführt.

Für die Speicherbetreiber wird das „first come, first served“- Prinzip abgeschafft. Die Ein- und Ausspeisekapazitäten von Speichern unterliegen nun auch der Auktionierung. Dies betrifft Industriekunden in der Vollversorgung aber nur mittelbar.

Von erheblicher Bedeutung ist die Zusammenlegung der beiden deutschen Marktgebiete Net Connect Germany (NCG) und Gaspool zum 1.4.2022. Zwei Ausschüsse des Bundesrates hatten eine vorherige Kosten-Nutzen-Analyse gefordert, die aber dann doch nicht als Bedingung der Zustimmung aufgenommen wurde.

Grund für die Zwangsehe ist wohl die Gefahr, dass eines der Gebiete im Rahmen der EU-Energieunion mit einem angrenzenden Netzgebiet eines Nachbarstaates hätte verschmelzen können. Damit wäre die Chance auf ein zusammenhängendes deutsches Marktgebiet deutlich gesunken. Dies ist nun verhindert.

Die Auswirkungen sind noch nicht abzusehen. Tendenziell wird die Liquidität im Markt erhöht, was sich preissenkend auswirkt. Aus der Angleichung von Systemen und der Beseitigung physischer Engpässe entstehen jedoch zusätzliche Kosten, die sich in den Netzentgelten wiederfinden werden.

Die Einführung untertägiger Kapazitäten könnte über den Umweg der Regelenergie einen auch für Industriekunden interessanten Effekt haben. Bislang schwebt über allen Industriekunden das Damokles-Schwert, in Zeiten extremer Gasmangellagen durch den Netzbetreiber entschädigungslos abgeschaltet zu werden. Nun soll ein Regelenergieprodukt namens Short Term Balancing Service eingeführt werden, das nicht standardisiert ist. Industriekunden könnten daher Flexibilitäten anbieten, die sie im Rahmen des Demand Side Management identifizieren. So ließe sich nicht nur eine komplette Abschaltung vermeiden, sondern auch noch ein Deckungsbeitrag erwirtschaften.