Tennet und 50Hertz erhöhen Entgelte drastisch

Kosten für die Ausregelung der Netze stark gestiegen

Der 15. Oktober ist jedes Jahr der Stichtag für die Veröffentlichung der Netzentgelte. Da aber die Entgelte der vorgelagerten Netzebenen auch dem lokalen Weiterverteiler bekannt sein müssen, wenn er seine Entgelte veröffentlicht, werden die Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und der Kollegen aus dem Gasbereich (FNB) meist schon vorher öffentlich.

In diesem Jahr haben es die beiden ÜNB Tennet und 50Hertz geschafft, mit diesen sonst eher auf den hinteren Seiten des Wirtschaftsteils zu findenden Ankündigungen, auf die Titelseite zu kommen.

Der auf dem Gebiet der östlichen Bundesländer verantwortliche ÜNB 50Hertz hat eine Erhöhung von 42 Prozent angekündigt, die von der Nordseeküste bis nach Bayern tätige Tennet 80 Prozent. Die beiden anderen ÜNB Amprion und TransnetBW werden die Entgelte auch erhöhen, allerdings nur im einstelligen Prozentbereich. Haupttreiber der Kosten sind in allen Fällen nicht etwa der Netzausbau sondern die Kosten für das sogenannte Redispatching (siehe Newsletter 35/16). Beim Redispatching greifen die ÜNB in die eigentlich über den Spotmarkt entstandenen Fahrpläne von Kraftwerken ein, wenn ihre Rechenmodelle eine Überlastung von Netzteilen vorhersagen. Dann werden bestimmte Kraftwerke – konventionelle oder regenerative – aufgefordert, nicht zu liefern, während andere hochfahren.

Der häufigste Grund dafür sind inzwischen ein zu viel an Windstrom im Norden, der wegen des schleppenden Ausbaus der Netze nicht nach Süden transportiert werden kann.

Damit wird auch schnell klar, warum i.W. 50Hertz und Tennet betroffen sind: Deren Netze sollen einmal die Hauptlast des Nord-Süd-Transportes leisten, können das aber noch nicht.

Sowohl das Produzieren als auch das Nicht-Produzieren kostet Geld, das die ÜNB den Erzeugern zahlen und auf die Entgelte aufschlagen. Dies wird sich in den nächsten 10 Jahren auch nicht ändern. Bis dahin ist mit steigenden Kosten zu rechnen, erst recht, wenn die Kernkraftwerke vom Netz gehen.

In den tieferen Netzebenen werden sich diese Effekte „verdünnen“. Der Privathaushalt muss mit einer Steigerung der Stromkosten von 4 Prozent rechnen. Bei den Industriekunden, die an die Hochspannung angeschlossen sind, wird der Effekt aber deutlich zu spüren sein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Gesetzgeber in der Zukunft eine Lastenteilung zwischen den ÜNB beschließt.

Im Bereich des Gastransportes ist die Lage entspannter. Hier hat der Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe eine Erhöhung von rund 8 Prozent in Vergleich zum Vorjahr angekündigt. Grund für die Steigerung sind die zurückgehenden Kapazitätsbuchungen und die Kosten für Ausbaumaßnahmen. Es ist davon auszugehen, das andere Ferngastransporteure ähnliche Entgelterhöhungen durchführen werden.