Preistrends zum Jahresende

Zusammenhänge und Entwicklung der verschiedenen Commodities

Der italienische Autor Umberto Eco stellt in seinem Buch „Das Foucaultsche Pendel“ ein – selbstverständlich erfundenes – Zitat voran: „Alles hängt mit allem zusammen; nichts ist jemals vorbei und die Templer sind immer im Spiel.“ Lassen wir die Templer außen vor, gilt der Rest aber trotzdem für viele Bereiche, auch den Energiemarkt.

Wer in diesen Tagen die verschiedenen Newsletter und Marktanalysen liest, der findet immer wieder bestimmte Schlagwörter, aus denen sich langsam ein Szenario zusammensetzt.

Fangen wir bei der Kohle an. Nach einer langen Talfahrt ist der internationale Kohlemarkt nun nachhaltig von steigenden Preisen geprägt. Dies hat viel mit den Entwicklungen in China zu tun, wo Kohle nach wie vor der entscheidende Energieträger, nicht nur für die Stromproduktion ist. Der chinesische Masterplan sieht vor, unwirtschaftliche, staatlich gestützte Minen zu schließen. Außerdem wurde eine Reduzierung der Produktionstage von 330 auf 276 verordnet. Zwar setzt auch die chinesische Führung stark auf Windenergie (ein Drittel der weltweiten Kapazität steht in China; 2015 wurden mehr als 30.000 MW neu in Betrieb genommen); aber China hat ein Problem, das uns nicht unbekannt ist: Die Netze sind nicht ausreichend, um die Metropolen zu versorgen.

Unsere französischen Nachbarn haben Schwierigkeiten mit ihren Atomreaktoren, deren Stahlbehälter bei der Produktion wohl nicht so sorgfältig kontrolliert wurden, wie das hätte sein sollen. Also werden eine Reihe von Reaktoren noch in diesem Winter zur Nachprüfung abgeschaltet. Für die mit Strom heizenden Franzosen bedeutet das aber, dass EdF den Strom (teuer) aus dem europäischen Ausland zukaufen muss.

Das bislang unterdurchschnittliche Windjahr 2016 hat zur Folge, dass die deutschen Erzeuger, die gerne auch Strom aus erneuerbaren Energien nach Frankreich verkaufen, mehr als gedacht auf konventionelle Kraftwerke zurückgreifen.

Die Briten machen sich Sorgen um die Gasversorgung in diesem Winter. Der größte Speicher des Landes wird aufgrund technischer Probleme bestenfalls stark eingeschränkt zur Verfügung stehen. Im übrigen rätseln die Marktteilnehmer nach einer technischen Umstellung in der Darstellung der Speicherinhalte in diesem Sommer immer noch darüber, wieviel Gas eigentlich im System ist. Und die Niederländer fahren geplant die inländische Erzeugung aus Groningen herunter.

Gas wird aber im kommenden Winter nun doppelt gebraucht, sowohl zum Heizen, als auch um Strom zu erzeugen.

Um nicht missverstanden zu werden: Versorgungsengpässe sind akut nicht in Sicht. Die vorstehenden Argumente zeigen aber, wie sich aus fehlendem Angebot und saisonal steigender Nachfrage Preiserhöhungen bilden.